Laut § 8 Berufsbildungsgesetz können Azubis die Ausbildung unter bestimmten Bedingungen verkürzen. Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) hat 2008 eine neue Empfehlung zur Verkürzung der Ausbildung herausgegeben, in der mögliche Verkürzungsgründe genannt werden. Bei einer abgeschlossenen Berufsausbildung kann eine 2. Ausbildung um 12 Monate verkürzt werden. Dazu ist aber ein gemeinsamer Antrag von Azubi und Ausbilder nötig. Der neue Ausbildungsbetrieb muss also der Verkürzung der 2. Ausbildung zustimmen.
Bei einer Verkürzung nach § 8 haben Azubis leider keinen Anspruch auf ein höheres Gehalt. Wenn ein Azubi seine 2. Ausbildung aufgrund einer abgeschlossenen Berufausbildung um ein Jahr verkürzt, fällt die Ausbildungszeit praktisch hinten weg. Er hat bei Beginn der 2. Ausbildung also nur Anspruch auf das Gehalt des 1. Lehrjahres.
Bei einer 2. beruflichen Ausbildung hast du keinen Anspruch mehr auf Berufsausbildungsbeihilfe. BAB steht Auszubildenden mit abgeschlossener Berufsausbildung "dem Grunde nach" nicht zu. Aber es gibt eine andere Möglichkeit: Wenn Azubis Berufsausbildungsbeihilfe dem Grunde nach nicht zusteht, können sie Wohngeld beantragen! Mehr Informationen findest du unter Wohngeld
Auch bei einer 2. Ausbildung haben deine Eltern Anspruch auf Kindergeld, wenn du das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet hast und dein Gehalt nicht zu hoch ist. Wenn du älter bist, erlischt der Anspruch auf Kindergeld in der Rege. Eine Ausnahme wird gemacht, wenn du dich auch nach dem 25. Lebensjahr in Ausbildung befindest und während deiner Ausbildung den Wehr- oder Zivildienst geleistet hast oder dich für maximal drei Jahre zum Wehrdienst verpflichtet hast.
Wenn deinen Eltern keine Kosten mehr durch dich entstehen, müssen sie dir dein Kindergeld auszahlen. Mehr Informationen findest du unter Kindergeld
Eltern schulden ihren Kindern Unterhalt. Dies gilt vor allem während der ersten Berufsausbildung. Bei einer zweiten Berufsausbildung sind die Eltern in aller Regel nicht zu Unterhalt verpflichtet, wenn es sich um eine gänzliche neue Ausbildung handelt.
Etwas anderes gilt, wenn es sich bei der Zweitausbildung um eine Weiterbildung handelt. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn an eine berufliche Ausbildung ein Studium angeschlossen wird, dass in einem inhaltlichen Zusammenhang zur Erstausbildung steht.
Ausbildung zum Bauzeichner - Architektur-Studium
Ausbildung zum Bankkaufmann - BWL-Studium
In diesen Fällen haben Gerichte positiv für die Auszubildenden geurteilt, da es sich bei Erstausbildung und Zweitausbildung um eine Gesamtausbildung handelt. Kein inhaltlicher Zusammenhang dürfte zum Beispiel in den folgenden Fällen bestehen:
Ausbildung zum Industriekauffrau - Psychologie-Studium
Ausbildung zum Friseur - Sozialpädagogik-Studium
In diesen oder ähnlichen Fällen hast du bei einer zweiten Ausbildung keinen Unterhalt von deinen Eltern mehr verlangen. Aber sie können dich natürlich trotzdem freiwillig unterstützen!
Einige Auszubildende schließen an eine Berufsausbildung als 2. Ausbildung ein Studium an. Hier haben sie Anspruch auf BAföG, auch wenn es die zweite Ausbildung ist. Bei BAföG ist es wichtig, ob es elternabhängig (mit Anrechnung des Einkommens der Eltern) oder elternunabhängig (ohne Anrechnung des Einkommens der Eltern) gewährt wird.
Wenn du nach deiner Ausbildung ein Studium beginnst, hast du unter folgenden Bedingungen Anspruch auf elternunabhängiges BAföG:
Wenn dies nicht zutrifft, kannst du während der 2. Ausbildung nur elternabhängiges BAföG bekommen. Das Einkommen deiner Eltern wird dann teilweise angerechnet und der BAföG-Anspruch entsprechend geringer ausfallen.
Einen Bildungskredit kannst du während der 2. Ausbildung beantragen, wenn du Schüler oder Student bist (Fachschulen, Berufsakademien). Der Bildungskredit soll dir helfen, deine Ausbildung zügig abzuschließen oder verhindern, dass du die Ausbildung aufgrund von Geldnot abbrechen musst. Pro Ausbildungsabschnitt können bis zu 7200 Euro gewährt werden.
Der Nachteil am Bildungskredit ist jedoch: Du musst ihn zurückzahlen!
Und es besteht kein Rechtsanspruch auf einen Bildungskredit.
Den Kreditantrag musst du an das Bundesverwaltungsamt richten. Du erhältst dann bestenfalls einen Bewilligungsbescheid und ein Vertragsangebot für einen Bildungskredit.